Alternative Süßungsmittel versprechen gesünder zu süßen

von | Wissen | 2 Kommentare

Wie gesund sind alternative Süßungsmittel wirklich?

Wir haben allen Grund uns mit Alternativen zu beschäftigen. Denn in den letzten 150 Jahren ist der pro Kopf Zuckerverbrauch auf durchschnittlich 100 g Zucker täglich und somit auf unvorstellbare 35 kg jährlich angestiegen.

Gibt es wirklich gesunde Alternativen oder sollten wir vielmehr unsere Geschmacksvorlieben überdenken? „Gesund“ würde ja schließlich bedeuten, dass deren Verzehr Vorteile für unsere Gesundheit hätte. Dem ist leider nicht so.

Alternative Süßungsmittel enthalten zwar im Vergleich zu weißem Kristallzucker kleine Mengen Mineralstoffe, Vitamine und eventuell auch Enzyme des ursprünglichen Lebensmittels, dennoch handelt es sich um konzentrierte Kohlenhydrate, die wir nicht uneingeschränkt mit „gesund“ assoziieren sollten.

Nachfolgend werden wir sie einmal genauer betrachten:

Wir stellen vor:

  • Agavensirup
  • Ahornsirup
  • Apfeldicksaft
  • Dattelsirup
  • Honig
  • Kokosblütenzucker
  • Reissirup
  • Stevia
  • Yaconsirup

Alternative Süßungsmittel im Vergleich

alphabetisch geordnet

Agavensirup

Agavensirup wird aus dem Saft von Agaven gewonnen. Nach der Entnahme wird er gefiltert, erhitzt, eingedickt und enthält dann 76 Prozent Zucker. Er ist etwas dünnflüssiger als Honig und besteht hauptsächlich aus Fruktose und Glukose, wobei der Fruktose-Anteil mit durchschnittlich 7 : 3 deutlich überwiegt. Somit verfügt der Agavensirup unter allen Süßungsmitteln über den niedrigsten glykämischen Index von 15 und wird somit fast insulinunabhängig verstoffwechselt.

Vorsicht: Ein hoher Fruktose-Anteil kann auch negative Wirkungen haben. Fruktose gelangt über das Blut direkt zur Leber und wird dort, wenn reichlich vorhanden, zu Fett umgewandelt.

Ahornsirup

Ahornsirup ist der eingekochte Saft des kanadischen Ahornbaumes. Aus etwa 40 Litern Saft entsteht circa ein Liter Sirup. Er schmeckt leicht nach Karamell und enthält rund 67 Prozent Zucker, 1 : 1 Glukose und Fruktose sowie kleine Mengen Mineralstoffe wie Kalium, Eisen und Magnesium. Ahornsirup hat einen glykämischen Index von 55 – 65 und eine etwas geringere Süßkraft wie Haushaltszucker.

Apfeldicksaft

Apfeldicksaft wird auch als Apfelsüße bezeichnet. Bei der Herstellung werden Äpfel zu Saft gepresst und eingedämpft. Apfeldicksaft ist ein regionales Süßungsmittel, schmeckt leicht säuerlich und ein klein wenig nach Äpfeln. Je nach Herstellungsverfahren und -temperatur bleiben Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe erhalten. Zu beachten ist, dass Dicksäfte über einen Fruktoseanteil von ca. 60 Prozent verfügen.

Dattelsirup

Dattelsirup wird aus getrockneten Datteln hergestellt. Datteln enthalten etwas mehr Glukose als Fruktose. Darüber hinaus enthält Dattelsirup die Mineralstoffe Magnesium, Kalium, Eisen, Folsäure, Zink und Calcium sowie Vitamine A.

Dattelpaste kann sehr gut in Rohkostqualität selbst hergestellt werden. Sie wird basisch verstoffwechselt und ist somit wertvoller als gekaufter Dattelsirup, der durch das Erhitzen Nährstoffverluste erleidet.

ZUBEREITUNG: 200 g Datteln mindestens 2 Stunden in Wasser einweichen. Danach pürieren und auf Wunsch mit Zimt, Vanille oder Kardamom würzen. Die Wassermenge bestimmt, wie dickflüssig die Paste werden soll. In einem Schraubglas verschlossen gut eine Woche im Kühlschrank haltbar.

Honig

Honig besteht genauso wie Zucker aus Glukose und Fruktose, enthält jedoch auch die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, Calcium, B-Vitamine, Vitamin C und zusätzlich Enzyme. Es empfiehlt sich, kalt geschleuderten Honig beim heimischen Imker zu kaufen. Honig wird eine entzündungshemmende und wundheilende Wirkung nachgesagt.

Kokosblütenzucker

Das ist der eingedickte, kristallisierte Blütensaft von Kokospalmen. Dabei handelt es sich wie bei normalem Zucker um Saccharose, zusammengesetzt aus einem Teil Glukose und einem Teil Fruktose. Er hat einen niedrigen glykämischen Index von 35 und lässt den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen. Neben Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium, Zink und Kalium enthält er zudem den Ballaststoff Inulin. Er schmeckt leicht karamellig und nicht ganz so süß wie Haushaltszucker.

Reissirup

Reissirup wird aus vollen Reiskörnern oder Reismehl gewonnen und enthält keine Fruktose. Dafür eine besondere Form der Glukose, die erst vom Körper umgewandelt werden muss und somit den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lässt als „normale“ Glukose. Reissirup enthält noch einige Mineralien wie Kalium, Eisen und Magnesium und schmeckt leicht malzig-nussig. Seine Süßkraft ist nur halb so hoch wie die des Haushaltszuckers.

Stevia

Stevia, auch Süßkraut genannt, ist eine Pflanze mit intensiver Süße und einem lakritzartigen Eigengeschmack. Circa 20 Prozent der grünen Blätter bestehen aus den süßenden Substanzen Steviosid und Rebaudiosid A, die 300 bis 400 mal so süß sind wie Zucker. Um die süßenden Stoffe zu extrahieren sind jedoch intensive Verarbeitungsprozesse nötig. Stevia-Tropfen, -Dragees oder -Tabs enthalten zwar keine Kalorien und werden ohne Insulin verstoffwechselt, aber gesundheitsförderlich sind sie nicht.

Für die Rohkostküche empfehlen wir daher die frische Stevia-Pflanze. Sie kostet zwei oder drei Euro und entwickelt sich im Garten in kurzer Zeit zu einem bis zu 60 cm hohen Strauch. Frische Steviablätter enthalten reichlich Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und auch Vitamin C. Sie können für die Vorratsküche auch getrocknet und ganz einfach im Mixer pulverisiert werden. Das grüne Pulver ist ein Süßmacher ohne Beeinflussung des Blutzuckers.

Yaconsirup

Yaconsirup verfügt ähnlich wie Ahornsirup über eine karamellartige Süße. Er wird aus der Knolle der Yaconpflanze hergestellt, welche mit dem Topinambur verwandt ist. Ebenso wie die Topinamburknollen enthalten Yaconknollen reichlich wasserlösliche Ballaststoffe. Neben Inulin enthalten Yaconknollen darüber hinaus Fructooligosaccharide (FOS). Die FOS wirken wie Inulin präbiotisch, da sie den guten Darmbakterien als Nahrung dienen und das Darmmilieu stärken.

Aktuell wird der Yaconsirup als die perfekte Zuckeralternative angeboten. Nicht ohne Grund: Er gilt als Highlight für die Verdauung und wird mit einem glykämischen Index von 1 nahezu insulinunabhänig verstoffwechselt. Zu beachten ist, dass der Verzehr von Yaconsirup bei empfindlichen Menschen zu Verdauungsbeschwerden in Form von Durchfall oder Blähungen füEhren kann. 

Erythrit

Erythrit ist ein aus vier Kohlenstoffatomen bestehender Zuckeralkohol mit der 70 prozentigen Süßkraft von Zucker, aber ohne Alkoholwirkung. Der Stoff kommt unter anderem natürlich in Birnen und Weintrauben vor. Industriell wird er aus Mais gewonnen, unter der Verwendung von Hefen produziert und scheint sogar einige antioxidative Eigenschaften zu haben.*

 Erythrit wirkt nicht auf den den Insulinspiegel d.h. sein glykämischer Index ist null. 

Klingt sehr lukrativ. Erythrit süßt mild und neutral, soll im Vergleich zu Xylith keine abführende Wirkung haben, dennoch ist es kein natürliches Süßungsmittel.

* aus „How not to die“ von Dr. Michael Greger

Fazit

Alle vogestellten Süßungsmittel sind wertvolle Alternativen zu raffiniertem Haushaltszucker und somit auf jeden Fall gesünder. Diese Aussage sollte uns jedoch nicht dazu verführen zu viel davon zu essen. Sie enthalten zwar in kleinen Mengen gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe, dennoch handelt es sich bei allen um konzentrierte Kohlenhydrate.

Sparsam eingesetzt können wir damit jedoch guten Gewissens unsere Speisen versüßen.

Unsere Wahl fällt auf selbstgemachte Paste aus Trockenfrüchten, wie beispielsweise die vorgestellte Dattelpaste, da sie rohköstlich zubereitet werden kann und somit über den größten Enzym- und Nährstoffreichtum verfügt und sogar basisch verstoffwechselt wird.

Darüber hinaus empfehlen wir neue Geschmackserlebnisse mit frischem Obst und Gemüse, kombiniert mit reichlich Blattgrün und Wildkräutern, um eine sanfte Geschmacksveränderung einzuleiten.

Wenn du ein tieferes Verständnis über die gesundheitliche Wirkung einer natürlichen Ernährungsweise erlangen möchtest – dann informiere dich bei uns!

Ulrike
Für die meisten hört sich „Rohkost“ nach einer gravierenden Veränderung oder extremen Lebensform an. Ich verbinde damit vielmehr einen modernen Lifestyle und lasse mich von der Kreativität der Rohkostküche inspirieren.

Kommentare

2 Kommentare

  1. Rufus Unfug

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Erythrit hat genau die gleichen abführenden Eigenschaften wie Xylith!

    Antworten
    • Ulrike Eder

      Hallo Rufus,
      danke für dein Feedback. Ich merke tatsächlich auch, dass Erythrit kein Süßungsmittel ist, das ich täglich in meine Ernährung integrieren möchte. Ich erlebe keine offensichtliche Reaktion, aber so ein Gefühl von nicht förderlich für die Darmflora 😉 LG Ulrike

      Antworten

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