Schmauen ist mehr als gründlich Kauen

von | Blog, Ernährung & Gesundheit | 2 Kommentare

S C H M A U E N   –   schon mal davon gehört?

 

Die Wortneuschöpfung SCHMAUEN stammt von Jürgen Schilling. Er hatte die Kunst des SCHMeckens und KAUENS zunächst für sich persönlich entdeckt und damit seine chronischen Magen- und Darmbeschwerden überwunden und nebenbei 25 Kilogramm abgenommen.

Mittlerweile ist die Empfehlung, die Nahrung nicht hinuterzuschlingen, sondern genussvoll und intensiv zu kauen wohl bekannt und im ersten Moment mutet es einfach an das Schmauen zu praktizieren – ist gründliches Kauen doch von jedem ganz leicht und überall durchführbar.

Leider belehren uns erste Versuche eines anderen

Wir sind es tagein tagaus gewohnt schnell zu essen, nach wenigen Kaubewegungen zu schlucken und mit unseren Gedanken durch den Alltag zu gloppieren. Diese jahrelang praktizierte Gewohnheit von heute auf morgen aufzugeben grenzt an eine Meisterleistung.

Ich wage jedoch zu behaupten, dass „SCHMAUEN eine neue Dimension von Gesundheit, Genuss und Zeit verspricht“ und es sich wirklich lohnen könnte, das Schmauen zu üben.

Betrachten wir zunächst die Vorteile, die das Schmauen mit sich bringt:

Der Speichelfluss wird angeregt

Im Tor zum Verdauungstrakt haben Kiefer, Zunge und Zähne die Aufgabe die Nahrung ausreichend zu zerkleinern. Wesentlich unterstützt wird dieser Prozess durch den Speichel, der wahrlich die Bezeichnung „HEILELIXIER“ verdient.

Der Speichel

  • leitet durch das Enzym Alpha-Amylase die Kohlenhydratverdauung bereits im Mund ein. Das Verdauungsenzym Amylase spaltet Polysaccharide (Viefachzucker, Stärke) in Oligosaccharide. Diese Spaltung kann man mit dem Zerlegen von großen in kleinere Ketten vergleichen.
  • enthält antibakteriell wirkende Substanzen wie Lysozym, Immunglobulin A und Histatin.
  • ist leicht alkalisch und neutralisiert den pH-Wert im Mundbereich.
  • ist ein wichtiger Geschmacksträger. Denn erst wenn sich die Geschmacksstoffe in unserem Speichel gelöst haben, können sie die Geschmacksknospen der Zunge erreichen und dort ein Signal auslösen.

Durch gründliches Kauen haben die Speicheldrüsen Zeit, reichlich enzymreichen Speichel zu produzieren. Das Einspeicheln des Speisebreis ist sehr wichtig für die darauf folgende Verdauung im Magen-Darmtrakt. Wenn sehr hastig gegessen und nur wenig gekaut wird, fehlt dieser wichtige erste Verdauungsschritt und es kann zu Verdauungsstörungen, Blähungen oder Völlegefühl kommen.

Gründliches Kauen entlastet die Verdauung

Eine gesunde und nährstoffreiche Mahlzeit kann seine Wirkung verfehlen, wenn sie nicht gut gekaut wird. Die Aufspaltung schlecht gekauter Nahrung erfordert von den Verdauungsorganen eine Menge Arbeit und Energieeinsatz. Darüber hinaus verweilen die Speisen lange in Magen und Darm und es kommt zu Fäulnis- und Gärungsprozessen, die Gifte und Schlacken zurücklassen. Vollegefühl, Bähungen, Sodbrennen, Müdigkeit oder auch Allergien sind mögliche Folgen.

„Gut gekaut ist halb verdaut“

Ausreichend zerkleinerte und eingespeichelte Speisen sind für das Verdauungssystem ein Segen. Die Verdauungskräfte im Magen können sich ganz ihrer Hauptaufgabe der Eiweißverdauung annehmen und nebenbei auch noch unerwünschte Bakterien ausschalten. Das sind optimale Bedingungen für die Weiterverarbeitung im Dünndarm – der dort ankommende vorverdaute, enzymreiche Nahrungsbrei wird nun mit Unterstützung des Bauchspeichel- und Gallensaftes weiter in seine Einzelteile zerlegt, bis sie vom Blut aufgenommen werden können.

Gründliches Kauen verbessert Nährstoffaufnahme und Vitalität

Beim gewöhnlichen Kauen gehen uns viele Vital- und Nährstoffe verloren, da es dem Verdauungstrakt unter hohem Energieaufwand nicht gelingt, die gesamte Nahrung völlig aufzuspalten. Dagegen können aus einem gut verdauten Speisebrei die Nährstoffe optimal aufgeschlossen und damit leichter für die Zellen verfügbar werden.

So können uns sogar bei geringer Nahrungsmenge mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen, wir werden genährt und fühlen uns nach einiger Zeit gesättigter und fitter.

Gründliches Kauen stimuliert und unterstützt das Immunsystem

Die antibakterielle Wirkung des Speichels unterstützt in mehrerlei Hinsicht das körperliche Abwehrsystem:

  • Der Speichel fördert das bakterielle Gleichgewicht der Mundflora und wirkt karieshemmend und desinfizierend.
  • Der Speichel hat eine wichtige Wächterfunktion und macht Viren, Bakterien sowie andere Erreger bereits im Mund unschädlich und schützt das gesamte Imunsystem vor Eindringlingen.
  • Ein gesunder Magen verfügt über ausreichend sauren Magensaft, um die Nahrung zu desinfizieren und bis dahin vorgedrungene Krankheitserreger auszuschalten.

Gründliches Kauen stärkt die Kaumuskulatur

Ausgiebiges Kauen massiert das Zahnfleisch, steigert die Durchblutung im Kieferbereich, kräftigt die Kaumuskeln und hat eine aktivierende Wirkung auf den Hörapparat. Aber aufgepasst: Wer diese Beanspruchung nicht gewöhnt ist, muss anfangs Muskelkater im Kieferbereich rechnen.

Gründliches Kauen verbessert die Geschmackswahrnehmung

Was zunächst viel Disiplin erfordert, kann sich bald als große Bereicherung erweisen: Bewusstes Kauen ermöglicht ein Herausschmecken feiner Geschmachsnuancen und eine völlig neue Geschmackswahrnehmung mit höherem Genussempfinden.

Erst während des gründlichen Kauens entfaltet sich der wahre Geschmack einer Speise und es zeigt sich, ob etwas wirklich gut oder leer schmeckt. Dies kann sogar dazu führen, dass gewohnte Speisen beim richtigen Kauen nicht mehr so gut schmecken und sich eine Ernährungsumstellung anbahnt.

Die meisten Supermarktprodukte sind darauf ausgelegt bei den ersten Bissen eine Geschmacksexplosion zu entfachen, danach schmecken sie oft schnell fad. Hochwertige Lebensmittel bieten auch oder gerade bei gründlichem Kauen geschmacklichen Genuss.

Gründliches Kauen hilft beim Abnehmen

Gutes Kauen kann eine recht wirkungsvolle Alternative zu diversen Diäten sein.

Menschen, die sehr schnell essen, haben sich bereits überessen bis das Sättigungsgefühl einsetzt. Wer gründlich kaut, braucht automatisch länger für seine Mahlzeit, fühlt sich mit kleineren Mengen satt und auch umfassend gesättigt, weil sich zugleich die Nährstoffassimilation verbessert – und ganz nebenbei purzeln die Pfunde.

Ausführliches Kauen macht achtsamer und zufriedener

Wer gründlich kaut, widmet der ganzen Mahlzeit mehr Aufmerksamkeit. Der Magen darf einen vorverdauten Brei empfangen und es stellt sich mehr Wohlgefühl, Zufriedenheit und ein Gefühl von „genährt sein“ ein.

Und alle, die sich darauf einlassen, werden merken und ahnen, dass bewusstes Kauen ein riesiges Potential in sich birgt und weitere Steine ins Rollen bringen kann, wie

  • die Schnelligkeit des Alltags auszubremsen,
  • eine Ernährungsumstellung,
  • sich auf den gegenwärtigen Augenblick zu konzentrieren und achtsamer und entspannter zu werden,
  • lässtige Gewohnheiten zu erkennen und/oder
  • vielleicht sogar die Motivation sein komplettes Leben neu auszurichten.

Nun geht es an die Umsetzung:

Schmauen – praktische Anleitung

Das Schmauen kann wirklich jeder lernen, aber es erfordert Übung. Kaum jemandem gelingt das auf Anhieb.

Deshalb, betrachte das SCHMAUEN als eine Challenge.

Sei nicht frustriert, wenn du beim 10. Mal Kauen feststellst, dass du mit deinem Gedanken schon wieder ganz wo anders bist und der Speisebrei deinen Mund bereits verlassen hat. Sei einfach stolz darauf, dass du dich überhaupt damit beschäftigst und habe Vertrauen, dass deine Sinne dadurch immer sensibler werden für bewusstes Essen und du allmählich immer gründlicher kauen wirst.

Achtsame Umgebung

Von großer Bedeutung ist dein täglicher Essplatz. Schaffe eine Umgebung, die achtsames Essen fördert. einen Essplatz, an dem es keine Ablenkung wie Zeitung, Handy usw. gibt und an dem du dich sehr wohl fühlst. Auch auf anregende Gespräche solltest du verzichten.

Schmauen ist mehr als gründlich Kauen

Zum Üben eignen sich vor allem dichtere Lebensmittel wie ein Stück Brot, ein Apfel oder eine Karotte.

  • Nehme einen Bissen und beginne zu kauen, sobald der Speichel zu fließen beginnt.
  • Widerstehe den ersten Schluckreflexen, welche dich bei der geringsten Unaufmerksamkeit den Bissen einfach hinunterschlucken lassen.
  • Nun gilt es den Bissen nach und nach flüssig zu kauen. Je nachdem um welche Speise es sich handelt, dauert es unterschiedlich lange.
  • Es geht nicht in erster Linie um die Anzahl der Kaubewegungen, sondern darum, dass die Nahrung wirklich flüssig ist, bevor sie geschluckt wird.

Versuche die Geschmackswahrnehmung auf den flüssigen Teil der Speise zu richten.

  • Schlucke nach ca. 10-20 Kaubewegungen ein bisschen des flüssigen Anteils hinunter und kaue den Rest weiter, bis der komplette Bissen verflüssigt ist. Erst wenn er vollkommen ausgeschmeckt ist und keine Stückchen mehr aufweist, ist er reif für den Magen.
  • Das Zählen der Kaubewegungen kann zu Beginn eine Hilfe sein, die Konzentration liegt jedoch auf der Verflüssigung der Speise.

Der Schluckreflex kann ausgetrickst werden, indem der Bissen etwas angesaugt wird und dessen Flüssigkeit geschluckt wird.

Schluckt man zu früh, muss der Körper diesen Verdauungsschritt im Dünndarm notdürftig nachholen. So aber können die Enzyme die langen Ketten von Kohlenhydraten schon im Mund in kürzere teilen. Der Speisebrei wird dabei süßlicher.

Das Ziel sollte sein Salate, Gemüse, Nüsse und bis zur Breikonsisten zu kauen und Suppen, Smoothies und Pürees ausführlich einzuspeicheln.

_________________       ♡      _____________________

Für den Anfang empfehle ich dir eine kleine Mahlzeit am Tag gründlich zu kauen und über jeden Versuch stolz zu sein. Evolutionär sind wir es gewöhnt eher hastig zu essen, um möglichst viel zu ergattern ehe der Feind kommt. Heute stehen wir vor der umgekehrten Aufgabe. Wir sind mit einem Überangebot an Speisen konfrontiert und es ist wirklich eine Meisterleistung das auskosten zu üben. Aber wer die Vorteile einmal für sich entdeckt, wird das  S C H M A U E N  lieben.

Ulrike
Für die meisten hört sich „Rohkost“ nach einer gravierenden Veränderung oder extremen Lebensform an. Ich verbinde damit vielmehr einen modernen Lifestyle und lasse mich von der Kreativität der Rohkostküche inspirieren.

Kommentare

2 Kommentare

  1. Hella

    Seitdem ich Rohkost esse, kaue ich ganz selbstverständlich mehr, weil das Essen knackig und frisch ist und es mir Spass macht einzelne Stücke herauszuschmecken. Mein Geschmack hat sich seit Rohkost total verändert.

    Ulrike, sie haben viel leckere Gerichte, die ich schon oft zubereitet habe. Ich freue mich über jedes neue Rezept. Danke dafür!

    Antworten
    • Ulrike Eder

      Danke für dein Feedback ♡ liebe Grüße Ulrike

      Antworten

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